4. Begabtentage 2023: 80 Jahre – Kassel zwischen Zwang und Zerstörung

25/11/2023 Von Britta Thyssen Aus

Auch in diesem Jahr fanden wieder die Begabtentage Kassel statt. Insgesamt nahmen 24 Schüler:innen aus acht Gütesiegelschulen für Begabungsförderung der Stadt und des Landkreises Kassel teil. Gemeinsam mit ihren Koordinator:innen für die Begabungsförderung wurden sie am 07.11. im Stadtmuseum Kassel und am darauffolgenden Tag in der Gedenkstätte Breitenau empfangen.

Im Stadtmuseum Kassel besuchten die Schüler:innen die Sonderausstellung 1943: Luftangriff auf Kassel und erarbeiteten eigenständig eine Führung durch die Ausstellung. In der Gedenkstätte Breitenau erhielten sie einen Einblick in die Situation der Zwangsarbeiter:innen und arbeiteten in Workshops an selbst gewählten Schwerpunkten.

Die Begabtentage begannen am Dienstag, den 07.11.2023 im Stadtmuseum Kassel. Dort startete der Tag mit einer kurzen Begrüßung von Frau Stöcker-Nolzen, stellvertretend für das Netzwerk Gütesiegelschulen, und Frau Goebel, welche für die Vermittlung und Öffentlichkeitsarbeit des Stadtmuseums zuständig ist. Die Schüler:innen arbeiteten in schulübergreifenden Zufallsgruppen an unterschiedlichen Schwerpunkten zum Luftangriff auf Kassel und stellten diese u.a. aus der Perspektive der NS-Führung, der Verfolgten, der Alliierten sowie der Bevölkerung dar.  Dabei standen ihnen Frau Goebel, Frau Schramm und Herr Hahn vom Stadtmuseum Kassel mit fachlichem Rat unterstützend zur Seite. Es wurde deutlich, dass sich die Schüler:innen intensiv mit der Ausstellung auseinandergesetzt hatten und eine umfangreiche, informative Führung durch die jeweilige Etage präsentieren konnten. Den authentischen Nachbau eines Luftschutzkellers in der Kassler Altstadt integrierten die Schüler:innen sinnvoll in ihre Führung. Dadurch konnten die Erfahrungen und Wahrnehmungen der Bevölkerung zu dieser Zeit anschaulich abgebildet werden. In der Vorbereitungsphase arbeiteten alle Gruppen kooperativ zusammen und gaben sich abschließend gegenseitig wertschätzendes und konstruktives Feedback.  

Am Mittwoch lag der Schwerpunkt auf der Auseinandersetzung mit den Konsequenzen der nationalsozialistischen Herrschaft für Zwangsarbeiter:innen in der Gedenkstätte Breitenau. Nach der Begrüßung durch Frau Doktor Düben machte Frau Domdey für alle Teilnehmenden in einer Führung durch die ehemalige Klosteranlage deutlich, in welchem Kontrast der Lageralltag der Häftlinge zur christlichen Botschaft stand. Anschließend vertieften die Schüler:innen in selbstgewählten Workshops kooperativ ihr Wissen, indem sie sich mit der menschenverachtenden NS-Gesetzgebung, NS-Akten sowie dem historischen Ort der Gedenkstätte auseinandersetzten und eine Präsentation erarbeiteten. Mit der Unterstützung von Frau Nachbar und Frau Domdey entstanden so vielschichtige Vorträge, die in einem differenzierten Austausch aller Beteiligten mündeten. Basierend auf den Ergebnissen gelang ein Brückenschlag zu Zwangsarbeit in der heutigen Zeit, wodurch die Schüler:innen für die Thematik weiter sensibilisiert wurden.